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Europa unterwegs zum großen KLIMADEAL

(ZV-Branchenreport Seite 28)

©BLD-Online

Europa soll bis 2050 klimaneutral sein. Wie dieses ambitionierte Ziel erreicht werden soll, ist im „Fit for 55“-Legislativpaket der EU-Kommission niedergeschrieben. Für die Logistikbranche ist das eine echte Herausforderung, die ohne passende Rahmenbedingungen kaum zu schaffen ist.

Es wird ernst mit dem Klimaschutz in Europa. Bis 2050 soll der alte Kontinent von schädlichen CO2-Emissionen befreit sein und der erste Kontinent der Welt sein, der klimaneutral ist. Dieses ambitionierte Ziel hat sich die EU-Kommission vorgenommen und die dafür notwendigen Schritte im Gesetzespaket „Fit for 55“ Mitte Juli präsentiert.

Dieses Paket enthält weitreichende Maßnahmen, die praktisch alle Bereiche der Wirtschaft tangieren und ebenso weitreichende Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Europa und seine Bürger haben. Jedes EU-Land soll im Rahmen von „Fit for 55“ seine Beiträge dazu leisten, damit Europa 2050 klimaneutral wird. Die Zahl 55 steht für das Vorhaben, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen in den EU Mitgliedstaaten um 55 Prozent zu reduzieren. Dieklimapolitische Transformation in so kurzer Zeit erfolgreich umzusetzen, stellt gerade die Transport und Logistikbranche vor eine historische Herausforderung.

Dass klimapolitisch dringend gehandelt werden muss, steht außer Zweifel, doch die Frage ist, mit welchen Maßnahmen der Wandel zur Klimaneutralität vollzogen wird. Ehrgeiziges Österreich Österreich will sich in Sachen Klimaschutz als Vorreiter profilieren. Verkehrsministerin Leonore Gewessler hat zwei Tage nach der Präsentation von „Fit for 55“ den österreichischen Mobilitätsmasterplan 2030 vorgelegt, der zahlreiche Maßnahmen enthält, mit deren Umsetzung Österreich bis 2040 im Verkehrsbereich emissionsfrei sein will.

Markante Eckpunkte in diesem Plan: Neu zugelassene leichte Nutzfahrzeuge bis 18 t bzw. Fahrzeuge bis 3,5 t sollen in Österreich schon ab 2030 emissionsfrei auf den Straßen unterwegs sein. Damit würde Österreich bereits fünf Jahre früher die EU-Vorgaben erfüllen. Ab 2035 sollen außerdem auch neu zugelassene schwere Nutzfahrzeuge über 18 t auf den Straßen emissionsfrei sein.

Ministerin Gewessler will zudem die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene forcieren und den Modal-Split zugunsten der Schiene von 29 Prozent im Jahr 2019 auf 40 Prozent pushen. Zertifikate für den VerkehrTransporte auf der Straße, in der Luft und auf dem Wasser sollen, so sieht es „Fit for 55“ vor, künftig in das CO2-Emissionshandelssystem integriert werden. Schon ab 2026 wird für Straßenverkehr und Gebäude ein CO2-Emissionszertifkat-Handelssystem eingeführt, die Einnahmen werden zur Unterstützung der Energiewende von einkommensschwachen Haushalten und KMU verwendet. Flüge innerhalb der EU sollen stufenweise bis 2026 weniger Zuteilungen von freien Emissionszertifikaten erhalten. Flüge mit Zielen außerhalb der EU werden dem CO2-Kompensationssystem CORSIA unterworfen. Ab 2023 soll in einer dreijährigen Einführungsphase das Emissionshandelssystem für maritimen Verkehr realisiert werden. Der Fokus richtet sich dabei auf große Schiffe, die 90 Prozent der Emissionen verursachen. Alternative Antriebe fördern Die österreichische Transport- und Logistikwirtschaft steht den klimapolitischen Zielsetzungen der EU grundsätzlich positiv gegenüber. „Für den Umstieg auf emissionsfreie Antriebsarten muss es uns jetzt auch in Österreich rasch gelingen, eine konkrete Roadmap zu erarbeiten und dafür auch die notwendigen finanziellen, infrastrukturellen und legistischen Mittel bereitzustellen“, gibt Peter Umundum, Vizepräsident Zentralverband Spedition & Logistik, zu bedenken. Das von der EU-Kommission vorgestellte Gesetzespaket enthält schwerwiegende Vorgaben zur Ökologisierung des Verkehrssektors und der Logistik mit ebenso weitreichenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Österreich. „Um eine zügige Ökologisierung des Straßengüterverkehrs sicherzustellen, müssen alternative Antriebstechnologien und eine leistungsfähige Tank- und Ladeinfrastruktur gefördert und aufgebaut werden“, so Umundum. CO2-Einnahmen als Förderung Matthias Hofmann, Leiter der ZV-Arbeitsgruppe Green Logistics, spricht das heikle Thema CO2- Bepreisung an: „Staatliche CO2-Einnahmen aus dem Güterverkehr müssten von der EU und den Nationalstaaten in Form von Förderprogrammen zur Ökologisierung des Straßengüterverkehrs zurückfließen.

“ Unter dieser Bedingung wäre dann die Bepreisung für die Logistikbranche nachvollziehbar und verständlich. Wenn nämlich die Gütermobilität beschränkt und verteuert wird, untergräbt das die Akzeptanz und Wettbewerbsfähigkeit der Logistikwirtschaft, ohne die wirtschaftliches Agieren jeglicher Art gar nicht funktionieren würde. Hofmann plädiert dafür, dass Transportlösungen zur Minderung der CO2-Emissionen nicht durch staatliche Eingriffe erzwungen werden dürfen. Die Entscheidung über die bestmöglichen ökologischen Alternativen muss den Unternehmen überlassen bleiben. Straße bleibt Hauptverkehrsträger

Wie aktuelle Studien von Univ.-Prof. Sebastian Kummer und seinem Team von der Wirtschaftsuniversität Wien belegen, wird der Straßengüterverkehr in den kommenden Jahrzehnten den Großteil des weiterhin wachsenden Güterverkehrsaufkommens bewältigen. Selbst bei einem Anstieg des Schienengüterverkehrs von jährlich 2,2 Prozent kann laut den Studien der Verkehrsträger Bahn das Gesamtwachstum nicht auffangen. 

Das Null-Emission-Ziel 2050 der EU könnte durch einen Anstieg der Effekte von Wasserstoff und Batterieelektrik sowie einen Mix an schon heute verfügbaren Technologien erreicht werden (siehe auch Artikel S. 16). Derzeit aber fehlen breit einsetzbare Alternativlösungen zum Diesel-Lkw. Im Lkw-Schwerverkehr und auf der Langstrecke sind batteriebetriebene Lkw derzeit ineffizient.

Das ist Faktum, und daher sollten nach Überzeugung von Hofmann alternative Technologien wie Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und LNG sofort massiv ausgebaut und gefördert werden. Engpaß Infrastruktur Wichtig ist der EU der Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID). Die Vorgabe der EUKommission, einheitliche Zielwerte für den Aufbau einer Tank- und Ladeinfrastruktur für alle Mitgliedsstaaten verbindlich vorzuschreiben, wird vor der Logistikwirtschaft grundsätzlich positiv bewertet.

Für alternativ angetriebene Nutzfahrzeuge braucht es in ganz Europa eine standardisierte Lade- und Tank-Infrastruktur. Peter Umundum: „Wichtig ist daher, dass die Zielwerte in den Mitgliedstaaten entlang der TEN-T-Korridore konsequent umgesetzt, regelmäßig unter Einbeziehung der Nutzer evaluiert und bei Bedarf angepasst werden.“ „Fit for 55“ als das weltweit ambitionierteste Klimaschutzpaket ist nicht in Stein gemeißelt. Ihm zustimmen müssen noch die einzelnen EU-Mitgliedsländer sowie das EU-Parlament. Die Verhandlungen werden wohl noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Hier geht es zum vollständigen Branchenreport: Link

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