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Wasserstoff: ja, aber nur aus grüner Energie

(ZV-Branchenreport Seite 20)

©APA Helmut Fohringer

Im Interview mit dem Branchenreport sagt Umwelt- und Infrastrukturministerin LEONORE GEWESSLER, wie das Klimaziel erreicht werden soll: mehr lokale Produktion, Forcieren des kombinierten Verkehrs und emissionsfreie Fahrzeuge. Diese dürfen auch mit Wasserstoff fahren – wenn der aus grüner Energie kommt.

Frau Ministerin, Corona hat die Systemrelevant der Logistik in den Fokus gerückt. Hat die Branche auch in der Politik einen höheren Stellenwert als noch vor der Pandemie? Leonore Gewessler: Die Pandemie hat uns sehr deutlich die Verletzlichkeit, aber auch die Bedeutung von zunehmend internationalen Lieferketten vor Augen geführt. Gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Logistik haben in der Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft mit allen notwendigen Gütern einen enormen Beitrag geleistet.

Also, klare Antwort: Ja, der hohe Stellenwert der Branche ist deutlicher als je zuvor. Wir haben auch gesehen, dass wir zur Bewältigung solcher Krisenalle an einem Strang ziehen müssen. Für Österreich als Transitland für Transporte aus ganz Europa ist das von besonders großer Bedeutung. Es gilt auch, flexibler zu werden. Als es zum Beispiel zu Beginn der Pandemie aufgrund der kurzfristigen und uneinheitlichen Gesundheitskontrollen an den Grenzen zu großen Staus auf der Straße kam, war der Schienengütertransport durchgehend gewährleistet. Die Bundesregierung hat die Klimaneutralität bis 2040 als Ziel formuliert. Allerdings gehen Experten von einem weiteren Anstieg des Güterverkehrs aus, auch auf der Straße und selbst bei einer zunehmenden Verlagerung auf die Schiene. Was erfordert das für zusätzliche Maßnahmen? Die Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 ist in allen Bereichen eine große Herausforderung.

Im Güterverkehr werden wir künftig verstärkt versuchen, lokal zu produzieren, um die Distanzen zu verkürzen. Sehr wichtig ist als zweiter Schritt die Verlagerung von Verkehren auf heute bereits umweltfreundlichere Verkehrsträger, zumindest auf dem Großteil der Strecken, Stichwort kombinierter Verkehr. Und da die ersten beiden Schritte nie sämtliche Transporte abdecken können, setzen wir auch im Güterverkehr auf emissionsfreie Fahrzeuge. Im Bereich der Antriebstechnologien ist dazu ein Umstiegauf emissionsfreie Antriebe, insbesondere Elektrofahrzeuge bzw. Wasserstoff /Brennstoffzellenfahrzeuge erforderlich.

Der für den Betrieb der Fahrzeuge benötigte Strom bzw. Wasserstoff soll dazu aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Mein Ressort fördert dazu bereits heute im Rahmen der E-Mobilitätsoffensive den Umstieg auf E-Nutzfahrzeuge inkl. Ladeinfrastruktur. Da E-Mobilität im Güterfernverkehr aufgrund des hohen Gewichts der Batterien an seine Grenzen stößt, setzt die Transport- und Logis- stark auf Wasserstoff und den Mix verschiedener Antriebsformen. Sehen Sie das auch als möglichen Weg? Diese Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bereits im Jahr 2040 klimaneutral zu sein. Das bedeutet, dass wir auch den Verkehrssektor bis zum Jahr 2040 schrittweise dekarbonisieren werden.

Im Bereich der Fahrzeuge setzen wir daher auf emissionsfreie Antriebe mit Strom bzw. Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Hinsichtlich der CO2- Emissionen und des erforderlichen Energieeinsatzes sehen wir batterieelektrische Fahrzeuge grundsätzlich vorne.

Es wird aber eine Reihe von Anwendungen geben, für die auch der Einsatz von Wasserstoff in Brennstoffzellenfahrzeugen relevant sein wird, beispielsweise im Fernverkehr. Hier müssen wir auch in die Forschung und ganz besonders die europäische Zusammenarbeit investieren, damit uns das gelingt. Ohne Modernisierung und Ökologisierung des Straßengüterverkehrs werden die Klimaziele kaum erreicht werden können.Können Sie sich flexiblere Längenmaße und Gewichte bei Lkw vorstellen, sodass mit weniger Fahrten mehr transportiert werden kann? Die klimafreundlichste Transportlösung ist die Verlagerung von (Teil-)Strecken auf die Schiene oder das Schiff. Seit mehr als 20 Jahren gibt es daher die Regelung, dass im kombinierten Verkehr Lkw im Straßenvor- oder -nachlauf zum bzw. vom nächstgelegenen Terminal mit 44 t statt 40 t höchstzulässigem Gesamtgewicht fahren dürfen. Darüber hinaus haben wir in Österreich einen weiteren Anreiz für die Verlagerung geschaffen, in dem das Gewichtslimit für kranbare Sattelauflieger allgemein auf 41 t erhöht wurde.

Für Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen oder emissionsfreien Antrieben ist bereits jetzt EU-weit ein Mehrgewicht von 1 t bzw. 2 t möglich, um die Ökologisierung der Straßenflotte zu erleichtern. Wäre es nicht sinnvoll, die Anschaffung umweltfreundlicherer Fahrzeuge viel stärker zu fördern, unabhängig von einer bestimmten Technologie, um in dieser Phase auch Brückentechnologien zu ermöglichen wie in Deutschland? Pkw, aber auch Nutzfahrzeuge haben teilweise sehr lange Nutzungsdauer und sind entsprechend viele Jahre auf Österreichs Straßen im Einsatz. Um am Weg zum Klimaschutz schnell weiterzukommen, müssen wir uns daher schon heute emissionsfreie Fahrzeuge fokussieren. Genau das tun wir mit den Förderungen meines Ressorts im Rahmen der E-Mobilitätsoffensive – übrigens in Zusammenarbeit mit der österreichischen Fahrzeugwirtschaft.

Gefördert werden dabei nicht nur batterieelektrische Fahrzeuge, sondern auch Wasserstoff-/ Brennstoffzellenfahrzeuge inkl. der erforderlichen Lade- bzw. Betankungsinfrastruktur. Voraussetzung ist, dass Strom bzw. Wasserstoff zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Wer den globalen Warenverkehr reduzieren und Wertschöpfung zurückholen will, braucht mehr Produktionsstandorte in Europa. Wer Transportwege verkürzen will, braucht mehr regionale Logistikflächen. Derartige Widmungen scheitern oft an den Kommunen. Kann die Branche mit politischer Unterstützung von Ihnen rechnen?

Wer Transporte verkürzen will, muss sich zuerst die Frage stellen, in welchen Sparten die Near- Shoring-Bestrebungen überhaupt von Erfolg gekrönt sein können.

Dabei geht es darum, welche Branchen in Europa Zukunft haben, wo wir unser Potenzial auch nützen können. Gerade im Klimaschutz liegen hier große Chancen für uns. Die Formel, dass kürzere Transportwege mehr Logistikflächen erfordern, stimmt dabei insofern, als kürzere Transportwege wohl andere Logistikkonzepte und damit wohl auch andere Standorte erfordern. Insbesondere bei den Bundesländern beobachten wir aber zusehends mehr Bewusstsein, insbesondere was die Entwicklung neuer Standorte betrifft. Was werden in Bezug auf die Logistikbranche ihre nächsten Schritte sein?

Wir befinden uns aktuell in einer großen Umbruchphase. Einerseits kämpfen wir immer noch mit der globalen Ausnahmesituation Pandemie, andererseits fordert uns die Klimakrise von Tag zu Tag mehr. Deshalb nehmen wir genau jetzt die entscheidenden Weichenstellungen vor. Der Mobilitätsmasterplan bietet eine hervorragende Leitplanke für die Unternehmen, sich auf die kommenden Herausforderungen einzustellen.

Auch wenn im Zuge der Pandemie von einer Krise der Globalisierung gesprochen wird, müssen wir befürchten, dass große Konzerne die bestehenden Schwankungen und Unsicherheiten in den globalen Lieferketten besser verkraften können als Klein- und Mittelbetriebe, wie sie in Österreich dominieren. Insofern müssen wir darauf achten, dass die Pandemie negative Auswirkungen der Globalisierung nicht noch weiter beschleunigt, und stattdessen daran arbeiten, unsere Stärken, nämlich die KMU-Struktur der Unternehmen neben den vielen internationalen Champions, ihre Vielfalt und die starke lokale Verankerung zur Erreichung der Klimaneutralität zu nutzen.

Hier geht es zum vollständigen Branchenreport: Link

 

 

 

 

 

 

 

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