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Wie der Gütertransport GRÜNER WERDEN kann

(ZV-Branchenreport Seite 12)

© BLD-Online Patrick Pleul

Klimaneutralität bis 2040: Das Ziel der Bundesregierung ist ambitioniert – es fehlen aber die Maßnahmen. Erreicht werden kann es im Verkehrsbereich nur durch die Optimierung aller Verkehrsträger, auch der Straße, durch Offenheit gegenüberverschiedenen Antriebstechnologien und durch eine enge Kooperation von Politik und Unternehmen – wie sie während der Corona-Lockdowns gut funktioniert hat.Die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns und geschlossenen Grenzen: bisher gut überstanden.

Die Versorgung der Bevölkerung mit allem Wichtigem: dank Kompetenz und Flexibilität jederzeit sichergestellt. Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war stets im Fokus und mit entsprechenden Konzepten gewährleistet. In den vergangenen Monaten hat die Logistikbranche bewiesen, was sie auch unter schwersten und noch nie da gewesenen Bedingungen leisten kann. Und gezeigt, welche zentrale Rolle sie nichtnur für den Versorgungssicherheit, sondern auch für den gesamten Wirtschaftskreislauf hat. Das Corona- Fazit: Herausforderung gemeistert.

Doch die nächste Herausforderung wartet schon. Nein, sie ist schon da: das Stoppen des Klimawandels. Und das wird keine kleine Herausforderung. Aber die Logistikbranche ist bereit, diese Herausforderung anzunehmen – und sie hat es schon getan. „Als unabhängige und verkehrsmittelneutrale Interessenvertretung der Speditions- und Logistikbranche, die auch zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung steht, unterstützen wir die Zielsetzung

einer nachhaltigen Ökologisierung“, betont Alexander Friesz, Präsident des Zentralverbandes Spedition.& Logistik, „der Transport auf der Straße muss grüner werden.“ Nachsatz: „Aber er muss auch grüner werden dürfen.“ Branche einbeziehen Worauf der Zentralverband besonders drängt, ist die Einbeziehung der Branche und die Nutzung ihres Know-hows. „Die Kernkompetenz der Logistikbranche ist es, Abläufe so zu gestalten, dass Waren so effizient wie möglich transportiert werden können“, erläutert Friesz, „dieses Wissen können und wollen wir auch nützen, um die Umwelteffekte des Straßenverkehrs zu minimieren. Denn unbestritten brauchen wir eine Klimakehrtwende. Aber diese muss gut geplant sein.“ Unausgesprochener Nachsatz: was derzeit leider nicht der Fall ist. Unrealistische Ziele Aktuell überbietet sich die Politik mit der Ankündigung ambitionierter Klimaziele.

Die EU strebt die Klimaneutralität bis 2050 an, Österreich bereits bis 2040. „Diese Zielvorgabe der Bundesregierung ist, realistisch betrachtet, nicht zu erreichen“, sagt Friesz, „die EU ist da realistischer.

“ Vor allem: Es fehlt ein konkreter Fahrplan. Der Anfang Juli von Klimaschutz- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler vorgelegte Mobilitäts- Masterplan 2030 erfüllt diese Funktion jedenfalls nicht.

Viel Wunschdenken und ein zu enger Zeitrahmen, der zu wenig Spielraum für sinnvolle Maßnahmen und Alternativen lässt, so die Kritik. „Bedauerlich ist, dass man die Logistik- und Transportbranche nicht direkt in die Erarbeitung des Masterplans eingebunden hat“, kritisiert ZV-Präsident Alexander Friesz und nennt ein konkretes Beispiel für die Problematik dieses Vorgehens: „Ein Verbot für Diesel-Lkw unter 18 Tonnen 2030 und für alle Diesel-Lkw 2035 stellt eine Herkulesaufgabe dar, ohne dass jedoch adäquate Alternativen angeboten oder diskutiert wurden.“ Dabei hat die Branche längst auf Basis wissenschaftlicher Studien eine ganze Reihe von konkreten Lösungsschritten zur Reduktion der CO2-Emissionen vorgeschlagen.„Wir halten unsere Hand seit Beginn der Legislaturperiode ausgestreckt“, betont Friesz, „jedoch hat man die Branchenvorschläge bisher nicht aufgenommen.“ Anders in Deutschland: Dort gibt es für die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs eine konkrete Roadmap, die gemeinsam mit den Interessenverbänden erarbeiten wurde. Streitpunkt Lkw Was die Logistiker und die grüne Ministerin trennt, ist nicht das Ziel einer Senkung der CO2-Emissionen. Das Problem ist der noch fehlende Fahrplan dorthin – und vor allem die Rolle der Lkw bei der Fahrt in die Zukunft. Gewessler will alles auf die Schiene verlagern. Gut gemeint, aber nicht umsetzbar, belegen Studien des Verkehrsexperten Prof. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Trans-LOGISTIK & KLIMASCHUTZTransportwirtschaft an der WU Wien.

Denn selbst wenn immer mehr Güter auf die Bahn verlagert werden, wird der Güterverkehr über die Straße zunehmen. Grund: Experten erwarten, dass der gesamte Güterverkehr in Österreich in den kommenden 20 Jahren um rund 45 Prozent zunehmen wird – so viel kann die Bahn niemals schlucken (siehe dazu auch Artikel S. 16). Das bedeutet in der Praxis: Die Straße bietet den stärksten Hebel, um den Klimaschutz- Zielen näher zu kommen.

Auf Basis der Kummer- Studie hat der Zentralverband Spedition & Logistik eine ganze Reihe von konkreten, umsetzbaren Maßnahmen vorgeschlagen, um den Güterverkehr über die Straße umweltfreundlicher zu gestalten. Die größten Potenziale bieten sofort verfügbare, klimafreundliche Technologien wie Flüssiggas-betriebene Fahrzeuge. Auch flexiblere Längenmaße und Gewichte sowie eine verbesserte Aerodynamik der Fahrzeuge würden sofort signifikante CO2-Einsparungen bringen – wenn sie denn gesetzlich erlaubt wären. Doch die Straße ist aus grüner Perspektive absolut pfui, weshalb alle konkreten Vorschläge der Branche, den Güterverkehr über die Straße effizienter und umweltverträglicher zu gestalten, bisher ins Leere gelaufen sind.

Anreize statt Verbote Die Mautbefreiung klimafreundlicher Fahrzeuge, steuerliche Anreize und Förderungen für die Anschaffung alternativ angetriebener Lkw, eine realitätsnahe Anpassung von Fahrverboten, um unnötige Umwege zu vermeiden – alles das könnte schnell umgesetzt werden, mit großen Auswirkungen auf das Klima.

Als ziemlicher Stolperstein auf dem Weg zum Klimaziel erweist sich auch der starke Fokus auf E-Mobilität.Die ist zwar für die innerstädtischen Zustelldienste sinnvoll, für den Fernverkehr aber keineLösung – die notwendigen Batterien wären viel zu schwer. Die Branche setzt daher auf Wasserstoff. Sofort bereit: Der Einsatz von Wasserstoff als Antriebstechnologie würde innerhalb kürzester Zeit erhebliche Mengen an CO2 einsparen.

Wirkungsvolle Maßnahmen: Prof. Sebastian Kummer und das ZV-Präsidium mit Peter Umundum, Alexander Friesz und Wolfram Senger-Weiss (von links) bei der Präsentation der Vorschläge zur Ökologisierung des Straßengüterverkehrs. Alternative Antriebe und Energieträger Wasserstoff: Bis 2050 könnte Wasserstoff zum wichtigsten Energieträger auf der Langstrecke werden.

Bei großflächiger F&E-Förderung in den Bereichen Wasserstofferzeugung, Brennstoffzellen und Fahrzeuge wäre 2050 laut Studien ein Einsparungspotenzial von 3,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent vorhanden.

Batterieelektrik: Die verfügbare Technologie findet bereits breiten Einsatz im KEP Bereich und kann bis 2030 ein Einsparungspotenzial von rund einer Million Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr erzielen. Im Jahr 2050 über 3,3 Millionen Tonnen. Defizite: von zu langen Batterieladezeiten über die Umweltbelastung bei der Erzeugung und den oft noch klimaschädlichen Strommix bis hin zur schwankenden Netzstabilität und Verfügbarkeit von Solar- und Windenergie. Elektromobilität ist aus heutiger Sicht keine geeignete Lösung für den Schwer- und Langstreckenverkehr. LNG (Liquified Natural Gas): Motoren und Lkw sind technologisch ausgereift und schon heute großflächig einsetzbar. Das CO2-Einsparungspotenzial liegt bei mehr als 20 Prozent gegenüber dem Diesel-Lkw. Die jährlichen Einsparungen allein durch LNG werden sowohl für 2030 als auch 2050 mit 750.000 Tonnen CO2-Äquivalent beziffert. E-Fuels: Sehr großes, kurzfristiges CO2-Einsparungspotenzial haben sogenannte E-Fuels – synthetisch erzeugte, CO2-neutrale Kraftstoffe –, da diese bei den bestehenden Verbrennungsmotoren genutzt werden können. Experten sehen neben der Straße (Individual- und Güterverkehr) auch sehr großes Potenziale zur CO2-Reduktion durch E-Fuels in der Luftfahrt und der Hochseeschifffahrt. Green Lkw-Hersteller wie Daimler, Iveco und Volvo wollen im Rahmen einer Allianz in Deutschland bis 2030 rund 100.000 Wasserstoff-betriebene Lkw auf die Straße bringen.

Doch die Erzeugung von Wasserstoff benötigt viel Energie, weshalb es bei Umweltministerin Gewessler Vorbehalte gibt. Im Interview mit dem Branchenreport sieht sie Wasserstoff immerhin als mögliche Alternative – wenn dieser Wasserstoff aus grüner Energie stammt. Doch das wird so schnell nicht umsetzbar sein, weshalb die Logistikbranche auf Zwischenlösungen wie etwa LNG-betriebene Fahrzeuge drängt. Auch E-Fuels, synthetisch und CO2-neutral hergestellte Kraftstoffe, sind eine sinnvolle Alternative. Sie sind für Verbrennungsmotoren geeignet – wodurch eine rasche Umstellung ganzer Flotten möglich wäre (siehe Factbox). „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und warten, bis ausschließlich. grüner Wasserstoff vorhanden ist“, fordert auch Wolfram Senger-Weiss, Vizepräsident des Zentralverbandes, „es gilt, jetzt zu handeln und in den kommenden Jahren den Boden für diese Technologien aufzubereiten.“ 

Express zur E-Mobilität.

Was möglich ist, haben die Kurier- und Expressdienste bereits mit dem verstärkten Einsatz von batteriegetriebenen Fahrzeugen im städtischen Bereich gezeigt. Mittels E-Mobilität kann hier bis 2030 rund eine Million Tonnen CO2 eingespart werden, 2050 sogar über 3,3 Millionen Tonnen. „Die Paketdienstleister beweisen, wie rasant sich eine Branche auf neue Herausforderungen einstellen und diese meistern kann, wenn Technologie und Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Peter Umundum, Vizepräsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik. Allerdings gibt es noch Hindernisse wie zu lange Ladezeiten, klimaschädlicher Strommix und schwankende Netzstabilität. Um die Einsparungsmöglichkeiten wirklich zu nützen, so Umundum, müssten Kaufanreize wie Steuererleichterungen gesetzt oder spezielle Halte- und Ladezonen für E-Fahrzeuge  eingeführt werden. Und was bedeutet das jetzt alles? „Die angestrebte Wende wird nur mit intelligenten Systemlösungen, einem Mix von Antriebsformen, Förderungen und Investitionen sowie einem Überdenken der gesetzlichen Rahmenbedingungen gelingen“, lautet das Fazit von ZV-Präsident Alexander Friesz, „die Optimierung aller Verkehrsträger wird über den Erfolg entscheiden. Alles andere ist Wunschdenken.“

Hier geht es zum vollständigen Branchenreport: Link

 

 

 

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