18.10.2021
JUNGE SPEDITEURE denken Logistik anders
(ZV-Branchenreport Seite 24)
Frische Ideen gesucht: Beim Wettbewerb „Jungspediteur des Jahres“, der natürlich auch Spediteurinnen einbezieht, präsentieren junge Menschen innovative Vorschläge für die Branche. Mit ihrem Vorschlag, Papieraufkleberdurch NFC-Tags zu ersetzen, holte Santa Virza den ersten Preis.
Seit zehn Jahren zeichnet der Zentralverband Spedition & Logistik engagierte junge Leute in den österreichischen Speditionsunternehmen mit dem „Jungspediteur“-Preis für besonders gute Ideen und Verbesserungsvorschläge aus.
Die frischen Ideen des Nachwuchses sollen den Unternehmen zugutekommen, sollen helfen, ihre geschäftlichen Prozesse im Alltag zu optimieren. Die Preise verstehen sich als ausdrückliche Wertschätzung junger Menschen, die sich Gedanken über die Zukunft der Branche machen. Die jungen Menschen schauen dabei über den Zaun, überdenken angestammte Arbeitsvorgänge und machen interessante Vorschläge, was bei der täglichen Speditionsarbeit besser ablaufen könnte.
Die Größe der Unternehmen, bei denen die Jungspediteurinnen und -spediteure arbeiten, sind bei diesem Wettbewerb der knackigen Ideen nicht ausschlaggebend. Den jährlich zu „Jungspediteuren“ ausgezeichneten Kandidaten winkt ein attraktiver Preis im Wert von 3.000 Euro. Aus den Einsendungen beim Wettbewerb im Jahr 2020 wurden drei Preisträger ermittelt, dem Führungsgremium des Zentralverbandes Spedition & Logistik sowie den Experten Prof. Sebastian Kummer von der WU Wien und Prof. Oliver Schauer vom Logistikum Steyr präsentiert und mit Preis und Urkunden prämiert. Wiener Spediteurin gewinnt mit NFC-Tag Mit dem ersten Preis wurde 2020 Santa Virza vom Speditionsunternehmen Schenker in Wien für ihre Denkarbeit über den NFC-Tag als wiederverwendbare Alternative zum herkömmlichen Papieraufkleber ausgezeichnet. Jedes Paket benötigt eine Empfangsadresse, und diese wird heute noch in den meisten Fällen mit einem Papieraufkleber auf dem Paket sichtbar gemacht. Die Herstellung von Papier ist nicht gerade nachhaltig, wenn man bedenkt, dass für die Herstellung von 500 Blättern DIN-A4-Papier 130 Liter Wasser und 7,5 Kilogramm Holz notwendig sind. Auch das Ausdrucken eines Retourlabels ist zeit- und kostenintensiv.
Virza schlägt daher vor, Paketaufkleber künftig durch eine kundenfreundlichere und zugleich nachhaltigere Lösung zu ersetzen. Und diese heißt kurz und bündig: NFC. Das Kürzel steht für „Nearfield Communication“ und beschreibt einen vielfach verwendbaren Chip, der es in sich hat. NFC ermöglicht die Vernetzung von Geräten, Steuerung von unterschiedlichen Prozessen oder auch nur die einfache Datenübertragung. Virza ist überzeugt, dass NFC mit seiner Datenaustauschmöglichkeit zwischen zwei Geräten perfekt für den Einsatz in der Logistik geeignet ist. Im konkreten Fall als Alternative für den Papierzettel auf dem Paket. Auf dem NFC- Chip werden die Daten von Absender und Empfänger elektronisch gespeichert.
Nach erfolgreicher Auslieferung des Pakets kann der Chip überschrieben und für die nächste Sendung verwendet werden. Platz zwei für angewandtes Lean Management Mit dem zweiten Jungspediteur-Preis ausgezeichnet wurde Benjamin Manhart, ebenfalls ein Schenker-Jungspediteur.
Er machte sich Gedanken darüber, wie mit Lean Management Arbeitsprozesse in der Kontraktlogistik zum Vorteil der Kunden und der innerbetrieblichen Abläufe optimiert werden können. Anhand eines Beispiels aus der Praxis zeigt Manhart auf, wie mit einem professionell aufgesetzten Lean Management eine Arbeitskultur in den Kontraktlogistik-Zentren geschaffen wird, in denen alle Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben und mit Hilfe des Lean-Gedankens ihre Ideen zur Optimierung der Arbeitsprozesse einbringen können. Das ist kein langfristiges und finanzintensives Projekt, sondern lässt sich relativ schnell mit rasch erkennbaren Vorteilen umsetzen. Wichtig dabei: Die Mitarbeiter leben den Lean-Gedanken und haben das Gefühl, dass ihre Anregungen zur Optimierung der Kontraktlogistik-Prozesse gehört werden.
Das ist motivierend und schlägt sich sichtbar auf die Qualität der Dienstleistung nieder, ist Manhart überzeugt. Paketshop-App erobert Platz drei Mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde Dominik Komoli, Projektmanager bei Gebrüder Weiss Paketdienst, für sein Digitalisierungsprojekt zur Paketshop- Betreuung. Das DPD-Paketshop-Netzwerk ist ein wichtiger Baustein in der B2C-Logistik.
Eine interne Abteilung bei Gebrüder Weiss akquiriert, betreut und auditiert diese Paketshops, die häufig von Handelsunternehmen in Kooperation mit DPD bedient werden. Der Ansatz von Dominik Komoli: Er machte sich Gedanken darüber, wie Paketshop-Betreuer mit einem Smartphone oder einem Tablet ihren Job noch effizienter machen können. Entwickelt wurde eine neue App, die zum zentralen Werkzeug wird. Unter Verwendung von Lean-Prinzipien wurde mit minimalen Mitteln eine spürbare Entlastung in der täglichen Arbeit geschaffen,papierloses Arbeiten umgesetzt und der Informationsfluss optimiert.
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