Landverkehre Europa
22.08.2017
Frankreich beschwert sich über CZ-Lkw-Maut-Ausschreibung
Prag/Wien - Der französische Botschafter in Prag, Roland Galharague, beschwerte sich in einem Brief beim tschechischen Verkehrsminister Daniel Tok in Sachen der Ausschreibung für das neue Lkw-Mautsystem nach 2019. Der Diplomat behauptet, die Bedingungen des Auswahlverfahrens seien "für Kapsch maßgeschneidert" und diskriminierten französische Firmen, berichteten tschechische Medien am Montag.
Galharague monierte in dem Schreiben, dass die Referenzen der französischen Firmen aus den in den USA und Kanada realisierten Aufträgen nicht anerkannt werden. Das Verkehrsministerium ist dabei, eine Antwort vorzubereiten, in der es die Vorwürfe zurückgewiesen werden, sagte der Sprecher des Ministeriums, Tomas Nerold.
Französische Firmen könnten an der Ausschreibung teilnehmen, falls sie kompatible Systeme mit anderen europäischen Einrichtungen liefern würden.
"Die Forderung auf Mikrowelle und Satellit geht aus den EU-Vorschriften hervor. Es ist also logisch, dass wir eine Gesellschaft suchen, die Erfahrungen mit diesen Systemen hat, und nicht jemanden, der Systeme betreibt, die auf anderen, für uns nicht verwendbaren Technologien basiert sind", sagte Nerold der Nachrichtenagentur CTK.
Das Verkehrsministerium hatte die Ausschreibung im Wert von 29 Mrd. Kronen (1,1 Mrd. Euro) im Juni gestartet. Der österreichische Mautsystem-Betreiber Kapsch TrafficCom, der schon das bestehende tschechische Lkw-Mautsystem errichtet hat, will sich um den Auftrag bewerben. Offizielle Bewerbungen sollten bis 24. August 2017 vorgelegt werden. Außer dem österreichischen Anbieter Kapsch TrafficCom haben auch etliche andere Unternehmen unverbindlich ihr Interesse an dem Auftrag bekundet - darunter die slowakische SkyToll, der US-amerikanische Anbieter Xerox, die deutsche TollCollect oder der Mautsystem-Betreiber in Ungarn, Payment Services.
Die neue Ausschreibung wird als "technologisch neutral" präsentiert. Allerdings meinen Kritiker, dass die Satelliten-Technik vor der Mikrowellen-Technik bevorzugt werde. Der Grund sei, dass die Lkw-Mautpflicht ab 2020 um zusätzliche 900 Straßenkilometer erweitert werden soll. Das sei aber eigentlich nur mit der Satelliten-Technik möglich, sagen die Kritiker. (Schluss) moe (APA)