Landverkehre Europa
25.04.2016
Norwegen dient als Vorbild
Laut den Berechnungen seiner Kollegen kann der Endenergieverbrauch des Verkehrsbereichs von 391 Petajoule im Jahr 2010 auf 276 PJ im Jahr 2030 und sogar 147 PJ im Jahr 2050 gesenkt werden. Unter anderem wird vorgeschlagen, den "Verkauf von konventionell betriebenen Pkw" stark einzuschränken, wie es in der Studie unter anderem mit Verweis auf Norwegen heißt. Die Regierung in Oslo will ja als erstes Land der Welt Benzin- und Dieselautos verbieten, dies schon ab 2025.
Für Österreich hat das Umweltbundesamt Ähnliches im Sinn. Ab 2020 sollen nur mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge verkauft werden, sagte Schneider. Wie man dies konkret umsetzen will - mit einer Strafsteuer auf Diesel oder einer anderen gesetzlichen Vorgabe -, sei Aufgabe der Politik, sagte er auf Nachfrage und betonte:
"Bestehende Fahrzeuge greifen wir nicht an." Der Umstieg auf Stromautos sei so unrealistisch nicht, denn alle großen Hersteller arbeiteten intensiv an E-Autos. Dadurch gingen die Preise hinunter und die Reichweite hinauf, so Schneider. Daneben müsse der öffentliche Verkehr ausgebaut werden. Im Schwerverkehr sei "schwieriger zu behandeln", mittelfristig seien aber unterschiedliche Technologien als Diesel-Alternativen denkbar, etwa Oberleitungen, Power-to-Gas oder Wasserstoff. Dabei solle man der Wirtschaft nicht vorschreiben, in welche Richtung es gehen soll.
Dass sich die Stadt Wien kürzlich viele neue Diesel-Euro-6-Busse angeschafft hat, sieht Schneider nicht so dramatisch. Die Busse seien nur sechs bis acht Jahre im Einsatz. Es sei durchaus denkbar, dass bald nur mehr strombetriebene Busse in der Bundeshauptstadt unterwegs sind.
Im Gebäudebereich verlangen die Studienautoren eine CO2-Steuer.
Von 2020 bis 2050 soll im Rahmen der Grundsteuer ein jährlich steigender Klimaeffizienzfaktor festgelegt werden, der progressiv von der CO2-Kennzahl im Energieausweis abhängig sein soll. Beim Heizen soll Biomasse eine wichtige Rolle spielen. So soll in ländlichen Gebieten "deutlich mehr" feste Biomasse (Holz) statt Öl und Gas eingesetzt und Naturgas teils durch gasförmige Biomasse ersetzt werden. In der Stadt sollen mehr Wärmepumpen eingesetzt und generell mehr Solar- und Geothermie genutzt werden. Insgesamt soll so der Bioenergie-Marktanteil (inklusive Strom- und
Fernwärmeproduktion) am Endenergiebedarf laut Szenario von 18 Prozent (2010) bis 2030 auf 28 Prozent und bis 2050 auf 35 Prozent ansteigen. Genug Holz zum Verheizen gebe es, so Josef Plank vom Biomasseverband. Die Biomasseanlagen seien voll, außerdem drohten große Schadholzmengen.
Für den Strombereich forderte Stefan Moidl von der IG Windkraft, dass Österreich wieder zum Stromexporteur wird und ab 2030 den gesamten Stromverbrauch bilanziell erneuerbar zur Verfügung stellt.
"Bis 2000 waren wir Stromexporteur, seitdem gab es eine radikale Verschlechterung", so Moidl. Vergangenes Jahr habe Österreich netto
15,5 Prozent seines Stroms aus dem Ausland bezogen, hauptsächlich aus Deutschland und Tschechien - beide Länder mit hohem Kohle-Anteil. "Wir verursachen in den Ländern circa 3,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen."
Die Erneuerbaren-Vertreter pochen auf eine Reformierung des Ökostromgesetzes. "Das letzte haben wir vor fünf Jahren bekommen, seitdem hat sich die Welt geändert", sagte Peter Püspök vom Dachverband Erneuerbare Energie (EEÖ). Das Wirtschaftsministerium wolle ab Herbst an einem neuen Ökostromgesetz arbeiten. Laut Püspök sollen "Geburtsfehler" wie etwa die kurze Anlagenlaufzeit von 13 Jahren ausgemerzt werden.
Öl und Co. sei nur deshalb so billig, weil der Schaden nicht mitgerechnet werde, so der Erneuerbaren-Vertreter. Das Umweltbundesamt habe zusammen mit dem Wegener Center die derzeitigen Kosten aus den Schäden durch den Klimawandel auf 0,5 bis 1 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Ab 2050 könnten es mehr als 8 Mrd. Euro sein.
(Schluss) moe