Seefracht
28.06.2017
Hapag-Lloyd nimmt sich nach UASC-Übernahme Auszeit
Hamburg - Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd gönnt sich nach der Übernahme des arabischen Konkurrenten UASC eine Verschnaufpause. Es gebe zwar auch nach den zahlreichen Zusammenschlüssen der vergangenen Jahre in der Branche noch erheblichen Konsolidierungsbedarf.
"Es wäre aber nicht unlogisch, wenn es für ein bis zwei Jahre etwas ruhiger wird", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Hapag-Lloyd rückt durch den Zusammenschluss mit der United Arab Shipping Company auf Rang fünf unter den weltweit größten Reedereikonzernen vor.Zugleich rückt durch die Übernahme die diplomatische Krise um Katar quasi vor die Haustür von Hapag-Lloyd. Denn das Emirat Katar gehört nun ebenso zu den Kerneignern der Hamburger Reederei wie Saudi-Arabien. Bisher gebe es jedoch keine Anzeichen, dass der Streit Auswirkungen auf die Fusion der beiden Reedereien hat.
"Der Zusammenschluss mit UASC läuft nach Plan", sagte Habben Jansen. Auch das Geschäft mit den Nachbarländern von Katar laufe normal weiter.
"Die Blockade von Katar führt bisher zu keinen wesentlichen Störungen im Geschäft", sagte Habben Jansen. "Operativ ist alles unter Kontrolle."
Unter den weltweit aktiven Schifffahrtskonzernen tobt seit Jahren ein Wettkampf um Größe. Die Reedereien versuchen durch Zusammenschlüsse und Allianzen die Kosten zu senken, um den Verfall der Frachtpreise auszugleichen. Die Branche leidet unter hohen Überkapazitäten, die nur langsam eingedämmt werden. Erst durch die Pleite der weltweit siebtgrößten Container-Reederei Hanjin im vergangenen Jahr verringerte sich der Druck auf die Frachtraten etwas. Seither klettern die Preise auf einigen Routen wieder. "Die Frachtraten haben sich im zweiten Quartal weiter erholt", sagte Habben Jansen.
Der Niederländer führt die Hamburger Traditionsreederei seit knapp drei Jahren. In dieser Zeit hat er bereits den Zusammenschluss mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV über die Bühne gebracht.
Synergien rasch heben
Die Vereinigung mit UASC will Habben Jansen bis Ende September/Anfang Oktober abschließen, um möglichst bald von den Kostenvorteilen zu profitieren. "Wir wollen möglichst rasch die Synergien heben, um das Ergebnis zu verbessern." Der Konzern mit weltweit knapp 13.000 Beschäftigten solle möglichst bald wieder Gewinne ausweisen, "und zwar stabil". Damit will Habben Jansen auch den Forderungen der Aktionäre entgegenkommen. "Die erwarten von uns, dass wir irgendwann mal schwarze Zahlen schreiben und eine Dividende zahlen." Wann genau das sein wird, ließ der Konzernchef offen.Das Personal will Habben Jansen binnen eineinhalb bis zwei Jahren weltweit um zehn bis zwölf Prozent verringern.
Der Abbau soll sich über alle Standorte und Regionen verteilen. "Es gibt zum Beispiel mehrere Länder, in denen Hapag-Lloyd und UASC zwei Büros unterhalten, die zusammengelegt werden. (Schluss) tha (APA/ag.)