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Supply Chain Management

08.08.2017

Industrie 4.0: Mehr Jobs nur mit großer Anstrengung

Wien - "Österreich braucht die Digitalisierung als Jobmotor", sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) bei der Präsentation einer Studie zu Industrie 4.0. Zu einem Mehr an Arbeitsplätzen kann es aber nur kommen, wenn Politik und Wirtschaft einen Zahn zulegen. "Digitalisierung kann Jobs schaffen. Damit wir das erreichen, müssen wir aber viel tun", so Studienautor Karl-Heinz Leitner vom AIT.

"Wir wollen international die Besten sein, nicht die Billigsten", so Leichtfried. Im Idealfall wird Österreich bei Industrie 4.0 "Frontrunner", also Spitzenreiter. Das wäre laut der nun veröffentlichten Studie auch das einzige Szenario, bei dem es zu einem Nettojobwachstum kommen kann.

Vertreter aus der Industrie wünschen sich diese Entwicklung laut Leitner zwar mehrheitlich, die Umsetzung halten sie aber für wenig realistisch.

Vier Szenarien für künftigen Arbeitsmarkt 

Das Austrian Institute of Technology (AIT), das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und Fraunhofer Austria haben in der Studie vier Szenarien für die Zukunft des Arbeitsmarkts entwickelt. Diese wurden in Branchenworkshops, wo ausschließlich Industrievertreter teilgenommen haben, und einem Strategieworkshop, bei dem rund ein Drittel der Arbeitnehmerseite zugeordnet werden konnte, in Bezug auf Wünschbarkeit und Wahrscheinlichkeit bewertet. 

Als viel wahrscheinlicher wird von den Studienteilnehmern - sowohl von Vertretern der Industrie als auch der Arbeitnehmer - eine langsame Transformation angesehen, die etwa der aktuellen Entwicklung entspricht.

Dieses Szenario wäre auch den Arbeitnehmervertretern lieber. Dabei würde es aber eher zu einem Jobabbau kommen.

Selbes ist auch zu erwarten, wenn man den technischen Fortschritt lediglich zur Effizienzsteigerung nutzt. Im Worst-Case-Szenario würde es zum digitalen Scheitern kommen, nur wenige Betriebe würden sich mit Industrie 4.0 anfreunden. Dadurch gehen Jobs verloren, die Wirtschaft stagniert und Österreich fällt im internationalen Wettbewerb zurück, so Leitner.

Laut der Studie sind manuelle Routinetätigkeiten durch die Digitalisierung am ehesten gefährdet, während Jobs, die nicht automatisierbar sind, anspruchsvoller werden. Leitner spricht in diesem Zusammenhang von einem anhaltenden Trend zur Höherqualifizierung. 

Digitalisierung für Innovationsschub nutzen 

Empfohlen wird von den Autoren, die Digitalisierung auch dafür zu nutzen, innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Bei der Schulbildung müsse einiges getan werden, der Umgang mit Computern beispielsweise sollte so früh wie möglich vermittelt werden. Laut Leichtfried wird Programmieren die nächste Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen.

Auch die betriebliche Weiterbildung müsse forciert werden. Die öffentliche Hand sollte dafür Unternehmenskooperationen in der Ausbildung mit staatlichen Institutionen verstärkt ermöglichen. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit spiele ebenso eine große Rolle: Die Digitalisierung ermöglich mehr Flexibilität bei der Wahl von Arbeitszeit und -ort. "Da will ich aber keine Einbahnstraße", so Leichtfried, die Mitarbeiter müssten was davon haben. Auch Datenschutz und Sicherheit müssten in Unternehmen stärker verankert werden. Da hätten besonders KMU Nachholbedarf, die öffentliche Hand soll sie unterstützen (Schluss) sym (APA/ag.)

©APA (dpa)

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